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Online-Lernen – Nicht jeder in Indonesien kann davon profitieren

Geschrieben von Intan Realista Zanta Avhisa, Program Manager Sekolah Sungai, Übersetzt von Lia Sophie Wilmes, Content Writer Praktikantin Project Child Indonesien

Von dem ansteckendes Virus COVID-19 sind inzwischen viele Länder dieser Welt betroffen. Seit seinem Ausbruch Ende 2019 leiden zahlreiche Bereiche unserer Gesellschaft unter den Auswirkungen des Virus. Das Bildungswesen ist derzeit beispielsweise mit besonders großen Herausforderungen konfrontiert. Die UNESCO (Organisation der UN für Bildung, Wissenschaft und Kultur) gab bekannt, dass derzeit weltweit mehr als 850 Millionen Schülerinnen und Schüler wegen der Verbreitung von COVID-19 zu Hause bleiben müssen. Das entspricht etwa der Hälfte aller Schülerinnen und Schüler.

In Indonesien wurde am 2. März 2020 die erste Person positiv auf das Corona-Virus getestet. Seitdem hat das Bildungsministerium einige Veränderungen im Bildungswesen vorgenommen, um die Ausbreitung der Pandemie zu stoppen. Es wurde unter anderem angekündigt, in den Schulen zukünftig Online-Lernen einzuführen. Lehrerinnen und Lehrer sind dazu angehalten, das Bewusstsein über das Coronavirus bei den Schülerinnen und Schülern zu stärken. Online-Lernen soll die Bildung zwar weiterhin sichern, allerdings werden dadurch die sozialen Unterschiede in der indonesischen Gesellschaft besonders deutlich.

Gut ausgestattete Schulen in den städtischen Gegenden des Landes können das Online-Lernen schnell und ohne große Probleme einführen. Schulen mit nicht so guter Ausstattung, vor allem in den ländlichen Gegenden, haben allerdings Schwierigkeiten, den Wechsel von Präsenzunterricht zum Online-Lernen zu vollziehen. Der Zugang zu stabilem Internet stellt häufig ein Problem dar, weshalb momentan viele Schülerinnen und Schüler trotz des Angebots keinen Zugang zu Bildung haben. Eltern, die wegen der Pandemie ihren Job verloren haben, können ihre Familien meist kaum noch ernähren; Bildung steht momentan häufig nicht an erster Stelle.

Online-Lernen in allen Schulen, allen Fächern und den ganzen Tag über zu nutzen, stellt eine große Herausforderung dar. Viele Schülerinnen und Schüler sowie Eltern beschweren sich bereits über unzumutbare Aufgaben, Fristen und Zeitpläne. Der Lehrplan der indonesischen Schulen ist nicht auf die Online-Vermittlung der Inhalte ausgelegt. Ein weiteres Problem ist, dass viele Schülerinnen und Schüler nicht daran gewöhnt sind, unabhängig zu lernen, weshalb sie mit der Situation überfordert sind. Auch die Lehrerinnen und Lehrer haben Schwierigkeiten damit, das Online-Lernen umzusetzen, da im Vorfeld kaum Schulungen zu dem Thema angeboten wurden.

Um den Erfolg des Online-Lernens in Indonesien zu gewährleisten, muss die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer nun von den Eltern übernommen werden: sie sollten ihre Kinder beim Lernen unterstützen. Leider ist das jedoch nicht immer möglich, da einige Eltern weiterarbeiten müssen und nicht ununterbrochen bei ihren Kindern sein können. Außerdem leben einige Schülerinnen und Schüler bei ihren Großeltern, die womöglich nicht mit der für das Online-Lernen notwendigen Technologie vertraut sind.

Auch wenn das Online-Lernen bereits eine gute Möglichkeit für viele Schülerinnen und Schüler ist, sollte weiter nach Lösungen für diejenigen in der indonesischen Gesellschaft gesucht werden, die derzeit keinen Zugang zu Bildung haben. Schülerinnen und Schüler sollten lernen, unabhängig zu lernen, und Lehrerinnen und Lehrer sollten effektive Online-Lehrstrategien erarbeiten. Nach COVID-19 kann es wieder zu ähnlichen Situationen kommen, die die Schülerinnen und Schüler dazu zwingen, zu Hause zu bleiben. Daher müssen wir für die Zukunft gewappnet sein und uns weiter dafür einsetzen, dass jedes Kind Zugang zu Bildung hat.

Internationaler Frauentag: Frauenrecht ist Menschenrecht

Geschrieben von Graciella Ganadhi, Content Writer Project Child Indonesien, übersetzt von Lia Sophie Wilmes, Content Writer Praktikantin Project Child Indonesien

Im Laufe der Geschichte wurden Frauen häufig unfair behandelt, vor allem dann, wenn sie in patriarchalen Gesellschaftsstrukturen lebten. Frauen wurden häufig nicht als eigenständige Individuen, sondern lediglich als Besitz der Männer betrachtet. Sie hatten keinerlei Rechte, durften also zum Beispiel nicht wählen und hatten auch in anderer Hinsicht keine Freiheiten. Die Gesellschaft bestimmte über das gesamte Leben der Frauen; sie durften nicht einmal selbst ihre Kleidung aussuchen.

Wenn man ein Geschichtsbuch aufschlägt, wird man selten über die Erfolge von Frauen lesen. Kaum jemand kennt beispielsweise Mileva Einstein, die erste Frau des Physikers Albert Einstein. Und das, obwohl sie ihn maßgeblich bei der Entwicklung seiner Relativitätstheorie unterstützte. Von den Erfolgen von Frauen sind allerdings häufig keine Spuren zu finden.

Mit der Zeit forderten Frauen vermehrt, gleichberechtigt behandelt zu werden. Allerdings kann die Gleichberechtigung der Geschlechter nur dann erreicht werden, wenn die gesamte Gesellschaft an einem Strang zieht und das gleiche Ziel verfolgt. Jeder Mensch hat individuelle Gedanken, Meinungen, Verhaltensweisen und Denkweisen. Das Motto des Internationalen Frauentags 2020, der am 8. März stattfand, ist „Kollektiver Individualismus“. Im Einklang mit diesem Motto sollte jeder Mensch für die Gleichberechtigung der Geschlechter kämpfen. Wir alle müssen mithelfen, wenn es darum geht, die Zukunft zu ändern.

“Der Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen wurde weder von einer einzelnen Feministin bzw. einem einzelnen Feministen, noch von einer bestimmten Organisation geführt. Er ist den gemeinschaftlichen Anstrengungen all derer zu verdanken, denen Menschenrechte ein wichtiges Anliegen sind.“

– Gloria Steinem (Feministin, Journalistin und Aktivistin)

Es geht nicht primär um die Rechte eines bestimmten Geschlechts, sondern um Menschenrechte im Allgemeinen. Wir sollten als Gesellschaft die Erfolge von Frauen uneingeschränkt wertschätzen und stets unvoreingenommen gegenüber dem weiblichen Geschlecht sein. Wir sollten die veralteten Sichtweisen, die in unserer Gesellschaft teilweise immer noch herrschen, hinterfragen und die Perspektiven erweitern.

Das Bemühen um die Gleichberechtigung der Geschlechter sollte als kontinuierlicher Prozess angesehen werden. Eine Gesellschaft, deren Mitglieder gleichberichtigt sind, wird in wirtschaftlicher Hinsicht erfolgreich sein, und auch das Zusammenleben wird harmonischer sein. Gleichberechtigung kann nur gemeinsam erreicht werden. Sind Sie bereit für den Wandel?

Für mehr Informationen über den Internationalen Frauentag und darüber, was Sie persönlich tun können, besuchen Sie:
https://www.internationalwomensday.com/

Referenzen:

https://www.internationalwomensday.com/Theme

https://blogs.scientificamerican.com/guest-blog/the-forgotten-life-of-einsteins-first-wife/